Bio-Lebensmittel waren früher ein Nischenprodukt für wenige gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher. Oft handelte es sich um Besserverdienende, die gerne bereit waren für gesunde Kost etwas mehr zu bezahlen. Diese Zeiten sind vorbei, spätestens seit dem Einstieg der großen Discounter ins Bio-Geschäft sind entsprechende Produkte auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich. Die Bio-Branche verzeichnete 2011 allein in Deutschland einen Umsatz von 6,59 Milliarden – Tendenz steigend. Der große Boom hat eine Menge neuer Investoren auf den Plan gerufen, die sich weniger mit den ursprünglichen Idealen der Bio-Pioniere identifizieren, sondern vor allem Geld verdienen möchten.

Das schürt das Misstrauen beim Verbraucher, immer häufiger stellt sich die Frage: Ist überall „Bio“ drin, wo „Bio“ drauf steht?

Bio GetränkTatsache ist, dass der Biomarkt zunehmend an seine Grenzen stößt. Das bekam beispielsweise der Hersteller der überaus populären Bio-Getränks zu spüren. Im Jahr 2008 bekam das Unternehmen Probleme mit dem Nachschub, der Weltmarkt gab die benötigte Menge an Bioobst einfach nicht mehr her, schon gar nicht zum angestrebten günstigen Einkaufspreis.

Die Folge: Der Getränkehersteller legte eigene Plantagen in Südafrika an um die begehrten Litschis selbst produzieren zu können. Aus unternehmerischer Sicht war das eine gute Entscheidung. Allerdings widerspricht es dem ursprünglichen Bio-Gedanken, Obst aus dem 9000 Kilometer entfernten Südafrika zu importieren. Von Klimaschutz kann hier keine Rede mehr sein. Andererseits ist es aufgrund steigender Nachfrage einfach nicht mehr möglich den Rohstoffbedarf aus der heimischen Region zu decken.

Probleme beim Wachstum – Großer Bedarf bei zu wenig Kapazitäten

Mit zunehmendem Wachstum müssen sich die Bio-Anbieter immer häufiger den Methoden der konventionellen Nahrungsmittelindustrie bedienen. In Deutschland werden seit Jahren mehr Bioprodukte verkauft als produziert. Von 2007 bis 2010 haben sich die Importmengen verdoppelt. Immer mehr Bioprodukte kommen aus dem Ausland, in 2008 lag der Anteil bei ca. 50%. Zudem verlangen die Biokunden mittlerweile auch nach „perfekter“ genormter Ware und möchten ganzjährig auf alle Obst- und Gemüsesorten zugreifen können. Tomaten und Erdbeeren im Winter? Das geht aber nur zu Lasten der Umwelt. Hier ist ein Umdenken und eine Rückbesinnung der Verbraucher auf die ursprünglichen Ideale der Bio-Bewegung von Nöten.

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