Bio Lebensmittel sind nicht gleich Bio LebenmittelDie beinahe regelmäßig auftretenden Lebensmittelskandale haben bei vielen Verbrauchern das Misstrauen gegenüber der konventionellen Landwirtschaft geschürt. Sie möchten die zweifelhaften Zustände in der modernen Massentierhaltung nicht mehr länger unterstützen und giftfreie Nahrung konsumieren. Dementsprechend greifen immer mehr Verbraucher zu Bio-Produkten. Die Nahrungsmittelindustrie wirbt gerne mit „Bio“ und entsprechend malerischen Werbemotiven.

Der Begriff „Bio“ genießt aber keinen gesetzlichen Schutz, er steht nicht zwingend für eine bestimmte Qualität. Um sich von Konkurrenz abzusetzen, haben etliche Nahrungsmittelproduzenten eigene Bio-Siegelgeschaffen, mit denen sie für bestimmte Qualitätskriterien garantieren. Dazu zählen häufig der Verzicht auf den Einsatz von Gentechnik, Pestiziden, oder Medikamenten. Bei tierischen Bio-Erzeugnissen gehört die artgerechte Tierhaltung praktisch zum guten Standard. Im Laufe der Jahre sind mehr als 100 verschiedene Bio-Siegel auf dem deutschen Markt entstanden. Erst 2001 schuf das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ein einheitliches deutsches Bio-Siegel. Es kann allen Produkten verliehen werden, die den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau entsprechen. Das Siegel verlangt die Einhaltung bestimmter Kriterien bei der Produktion. Demnach ist der Einsatz von Kunstdünger, Wachstumshormonen und Antibiotika verboten. Die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen ist ebenso wenig gestattet wie die Bestrahlung von Lebensmitteln. Mindestens 95% der Inhaltsstoffe landwirtschaftlicher Herkunft müssen zwingend aus dem Öko-Landbau stammen, sonst wird das Siegel nicht verliehen. Zugelassen sind hingegen etliche Lebensmittelzusatzstoffe, die von vielen Bio-Produzenten abgelehnt werden. Seit Juli 2012 gibt es jetzt ein offizielles europäisches Bio-Siegel. Seither müssen aller Produzenten verpackter Bio-Nahrungsmittel nachweisen, dass sie ihre Erzeugnisse wirklich allen Anforderungen des ökologischen Landbaus in der EU genügen. Wie schon beim deutschen Bio-Siegel, gilt auch bei der europäischen Version die 95%-Regelung. Auch die weiteren Standards entsprechen größtenteils denen des deutschen Pendants.

Grundsätzlich machen die staatlichen Bio-Siegel weniger stringente Auflagen als die privaten Siegel von Öko-Voreitern , wie Demeter, Naturland oder Bioland. Wer „Bio pur“ möchte, sollte auf diese Siegel achten.

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